Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan
Nachruf auf Clas M. Naumann
Am 15. Februar 2004 ist Prof. Dr. Clas Michael Naumann zu Königsbrück verstorben. Clas Naumann war der Direktor des renommierten Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn, gleichzeitig Professor an der Universität Bonn. Die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan (AGA) verliert in ihm einen der profiliertesten Afghanistankenner und -liebhaber. Afghanistan war fast die zweite Heimat von Clas Naumann, auch seine Frau kommt von dort.
Clas Naumann hat sich gerade in den letzten Jahren nach dem Zusammenbruch des unheilbringenden Talibanregimes auf allen erdenklichen Ebenen, mit vielen neuen Ideen und in selbstloser Aufopferung für den Wiederaufbau Afghanistans, speziell der Universitäten und Bildungseinrichtungen des Landes eingesetzt. Er hat versucht bürokratische Hemmnisse in deutschen Ministerien und anderen Organisationen auszuräumen, seine Ausdauer und seine Geduld in dieser Hinsicht waren unglaublich. Viele kritische Artikel und Berichte der letzten Jahre in Zeitungen, aber auch sein Einsatz auf vielen Sitzungen und seine Vorträge dienten dem Ziel der Afghanistanhilfe. Dafür gebührt ihm großer Dank. Dabei verlor er nicht aus dem Auge, daß er von Berufs wegen der Verantwortliche war für eine der größten Zoologischen Forschungseinrichtungen in Deutschland.
Sein immenses Arbeitspensum bei der Modernisierung seines Museums, des Museums Alexander Koenig in Bonn, bei der Verankerung der deutschen Museumslandschaft in einer modernen Biodiversitätsforschung als zentrale Dokumentationszentren, bei der Durchführung von Forschungsverbundprojekten (z.B. Biota: Afrika-Ost, in Kenya), bei der technischen Aktualisierung und Modernisierung wissenschaftlicher Zeitschriften als Herausgeber für den traditionsreichen "Zoologischen Anzeiger" oder die "Entomologischen Mitteilungen", bei der Arbeit in einer Reihe von wissenschaftlichen Beiräten und Beratungsgremien, als Mitglied vieler wissenschaftlicher Vereinigungen und Gesellschaften, als Organisator vieler Symposien, Tagungen und workshops, ist für einen Normalbürger unvorstellbar. Seine zahlreichen Aktivitäten in vielen Gremien, als Gutachter, als Beiratsmitglied, als Koordinator, als deutscher Vertreter, als Vorstandsmitglied, als Gastgeber für Stipendiaten, als Gastprofessor, aber auch als Forscher mit Drittmitteleinwerbungen (DFG, BMBF, VW-Stiftung, Land NRW usw.) mit jährlichen Forschungs- und Sammelreisen ins außereuropäische Ausland, als Betreuer für Examens-, Diplom- und Promotionsarbeiten und eben auch als Auftraggeber der umfangreichen Baumaßnahmen zur Modernisierung des Museums müssen an seinen Kräften gezehrt haben.
Clas Naumann hat eine seiner letzten großen Reisen im Sommer 2002 in den Pamir machen können. Als Teilnehmer unserer Pamir-Expedition war es ihm möglich während dieser Hochgebirgstour für einige Tage ganz ungestört seinem Hobby, der Zygaenenforschung nachzugehen, und dabei die Biologie von Zygaena pamirica (auf über 4200m Höhe) aufzuklären. Für einige Wochen konnte er in Erinnerungen schwelgen und wieder in den afghanischen Wakhan hinüberschauen, den er schon in einem Bildband im Jahre 1978 beschrieben hatte. "Dies ist der Höhepunkt meines Lebens in mehrfacher Hinsicht und ich empfinde große Dankbarkeit, daß ich mit Euch mitkommen konnte", hat er mir dort gesagt.
Clas Naumann ist am 26. Juni 1939 in Dresden geboren. Er hat seine Jugend in Kirchohsen (bei Hameln), in Wilhelmshaven und Braunschweig verbracht. Er studierte Chemie, Biologie und Paläontologie an der Universität Tübingen (1959-1966). Seine Dissertation zum Thema "Untersuchungen zur Systematik und Phylogenese der holarktischen Sesiiden (Insecta, Lepidoptera)" wurde an der Universität Bonn unter Anleitung von Prof. Dr. Günther Niethammer angefertigt. 1970-1972 lehrte Clas Naumann an der Partnerschaftsfakultät der Bonner Universität, an der Faculty of Science in Kabul. Von 1973 bis 1977 war Clas Naumann als Assistent an den Universitäten Bonn und München tätig. In diesen Jahren hatte er bereits zahlreiche Forschungsreisen mit feldzoologischen Arbeiten durchgeführt. Die Habilitation 1977 erfolgte an der Ludwig-Maximilian-Universität in München mit dem Thema "Stammesgeschichte und tiergeographische Beziehungen der Zygaenini (Insecta, Lepidoptera)". Im gleichen Jahr erfolgte die Ernennung zum Wissenschaftlichen Rat und Professor an der Fakultät für Biologie der Universität Bielefeld und der Aufbau der neuen Abteilung für Morphologie und Systematik der Tiere.
Von 1978 bis 1989 lehrte er an der Universität Bielefeld. Seine Zeit an der jungen Fakultät für Biologie an der Universität Bielefeld widmete er dem Aufbau seiner Abteilung und der Einrichtung einer guten Lehre und Forschungsstruktur. Während seiner Dekanszeit (1982/83) war ich Prodekan an der Fakultät, wir haben vieles für die Fakultät in der damaligen Aufbauphase erreichen können. 1982 haben wir gemeinsam die Wissenschaftliche Arbeitstagung der AGA in Bielefeld ausrichten können.
Clas Naumann folgte 1988 einem Ruf auf eine C4-Professur für Spezielle Zoologie an der Universität Bonn, zugleich als Direktor des Zoologischen Forschungsinstituts und Museums Alexander Koenig. Die Ernennung erfolgte am 01. 07. 1989. Einen Ruf an die Universität München hat er 1993 abgelehnt.
Das Museum Alexander Koenig hat in seiner Funktion als eines der Leibniz-Institute, spezialisiert für Terrestrische Biodiversität seine Forschungen unter Einbeziehung der Probleme der globalen Biodiversitätskrise auf dem Gebiet der Systematischen Zoologie erweitert. Es hat hierzu bedeutsame Beiträge zum Schutz biologischer Ressouren geleistet. Die neue Dauer-Ausstellung "Unser Blauer Planet - Leben im Netzwerk" macht neueste Forschungsergebnisse zum ersten Mal einem breiten Publikum mit einem ganz neuen, modernen Ausstellungskonzept zugänglich. Es ist die Philosophie des Museums Alexander Koenig, sagte Clas Naumann, durch Bildung und Ausbildung Antworten zu geben auf die ökologischen Fragen der Zukunft. "Die Ausstellung beabsichtigt dem Besucher die Grenzen natürlicher Ressourcen bewußt zu machen, indem sie von ihm Verständnis und Einverständnis mit der umgebenden Welt fordert. Wenn wir unsere Welt, die biologische Vielfalt und deren Umwelt verstehen wollen, dann müssen wir zuerst auch deren Bausteine kennen", betonte Clas Naumann.
Die vielfältigen Aktivitäten, insbesondere für Afghanistan und eine bessere Bildung können nur mit wenigen Beispielen hier gestreift werden. Sie müssen für die Nachkommenden Vorbild sein, in Clas Naumanns Sinne fortzufahren.
"Stell Dir vor, Du kommst in die Uni - und es gibt keine Stühle! Absurd? Nein. Der Universität in Kabul (Afghanistan) fehlt so ziemlich alles, was für einen geordneten Lehrbetrieb notwendig ist. Nach dreiundzwanzig Jahren Bürgerkrieg gibt es an der Universität keine Lehrbücher in der Landessprache, von digitalen Medien ganz zu schweigen. Aber wie soll eine demokratische Zivilgesellschaft aufgebaut werden, wenn der Bildung die elementarsten Voraussetzungen fehlen?" das fragte sich der Bonner Professor Clas Naumann, Leiter des renommierten Museums Koenig und Präsident der Deutsch-Afghanischen Universitätsgesellschaft und rief die Aktion "Ein Stuhl für Kabul" ins Leben. Ganz konkret finanziert jeder Spender mit 10 Euro einen Stuhl, mit 25 Euro einen Tisch, mit 50 Euro einen Schrank und mit 100 Euro eine Wandtafel. Den Erfolg dieser Aktion hat Clas Naumann noch erleben dürfen. Fast 40 000 Euro sind bis Februar 2004 zusammengekommen.
Auch die Strom- und Wasserversorgung lag darnieder, die hygienischen Verhältnisse stanken zum Himmel. Die katastrophalen Zustände an der langjährigen Partneruniversität, die er nach Kriegsende vorfand, motivierten Clas Naumann, die Deutsch-Afghanische Universitäts-Gesellschaft e.V. (DAUG) zu gründen: "Bildung ist das Kapital der nächsten Generation."
Angesichts der deutschen Situation ergänzt er: "Deutschland entwickelt sich auf einem ganz neuen Gebiet zum Exportweltmeister: Es vergrault seinen akademischen Nachwuchs. Und gefährdet so unser aller Zukunft. Der Staat fördert die Wissenschaftler-Ausfuhr mit Stipendien: Die besten kommen nicht zurück". Das Museum Alexander Koenig verliert wegen der unsinnigen Neuregelungen der Hochschulgesetze gleich drei Mitarbeiter, die ihr Zeitdeputat ausgeschöpft haben. Einer ist bereits gegangen, zwei werden folgen. Know-how geht verloren. Für Clas Naumann kommt das Befristungsverbot einer "Exekutionsmaschine" gleich. "Wir bilden hervorragende Leute aus, beschaffen aus allen möglichen Quellen Mittel, um sie weiter zu beschäftigen - und müssen ihnen dann einen Tritt geben", schimpfte er.
Eigentlich sonderbar, daß deutsche Eltern für amerikanische Elite-Universitäten hohe Studiengebühren bezahlen, damit ihre Kinder dort von deutschen Spitzenkräften unterrichtet werden, die in Deutschland keine Stelle bekommen haben: Wunder der Globalisierung. In einer enger zusammen-rückenden Welt kommen die Schwächen einer Gesellschaft, die wie kaum eine andere auf kluge Köpfe angewiesen ist, schonungslos ans Licht. Die wachsenden Mängel der deutschen Forschungs- und Universitätslandschaft hat Clas Naumann mit großer Zivil-Courage angeprangert. Sie haben ihn aber auch verbittert: "Auf dem Weg in die Regionalliga: Das Mittelmaß lebt gut mit den herrschenden Verhältnissen".
Nicht selten wandte sich in den vergangenen Monaten Clas Naumann mit Artikeln an die Presse. So erschienen z.B. in der Frankfurter Allgemeinen drei aufsehenerregende Artikel: "Ein Mullah mit Gazelle zagt in Kabul nie - Die Geschichte der Zoologischen Projekte Afghanistans 1963-2001" (FAZ 21.12.2001) -- "Wie lernen Fische das Schwimmen ohne Wasser? Afghanistans höheres Bildungswesen wird noch lange darniederliegen" (FAZ 21.06.2002) --"BMZ? AA? GTZ? DAAD? - Gender-Seminare statt Damentoiletten: Die absurden Folgen der deutschen Entwicklungshilfe in Afghanistan" (FAZ 21.11.2002). Wo liegt etwas im argen, wie kann man es verbessern? "Stagnation und Verfall wissenschaftlicher Bildungsreinrichtungen haben einen hohen Preis. Jugendliche Besucher werden verprellt, in Zukunft könnten deshalb die Fachleute für die wertvollen Naturschätze fehlen". Neil Chalmers, der Direktor des Londoner Museums, rät zur Offensive: Mehr politisches Engagement sei nötig. Clas Naumann vom Bonner Museum König folgt dem Ruf. Er fordert eine Initiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Bundesforschungsministeriums, um die Sammlungen zu bewahren und Nachwuchs auszubilden. Nur zaghafte Versuche sind von den Regierenden dazu erkennbar.
Der Aufruf des DAAD für Afghanistan geht ganz wesentlich auf Clas Naumann zurück: "Der DAAD beabsichtigt im Rahmen seines Nothilfe-Programmes für Afghanistan mehrere Langzeit-Dozenturen an der Universität Kabul in Afghanistan zu etablieren. Die Dauer der Einsätze liegt zwischen einem und max. fünf Jahren. Gesucht werden hierfür promovierte (oder auch habilitierte) Biologen, die sich neben der Unterrichtstätigkeit in ihrem jeweiligen Fach auch bei der Ausbildung einheimischen technischen Personals und für den allgemeinen Wiederaufbau wissenschaftlicher Strukturen (in unserem Falle z. B. Herbar und Sammlungen) einsetzen. Die Positionen sind sicherlich in erster Linie für organismische Biologen interessant und weniger für Wissenschaftler aus den "Laborwissenschaften". Interessenten konnten sich bisher vertrauensvoll an Clas Naumann wenden.
Nach der erfolgreichen Mission des DAAD: "Wir rechnen fest damit, daß uns unsere deutschen Freunde beim Wiederaufbau unserer Fakultät im Rahmen der alten Partnerschaft wieder helfen werden", sagte Professor Dr. Stanikzai, Physiker an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kabul, zum Abschied. Eine Delegation des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) besuchte die Universität Kabul, führte Gespräche mit dem Rektor und Vertretern der meisten Fakultäten. Ein Bild der Verwüstung bot sich den Mitgliedern der Delegation, der auch Clas Naumann angehörte.
Die Universitäten Bonn, Köln und Bochum hatten von 1961 bis 1978 eine intensiv betriebene und sehr erfolgreiche Partnerschaft mit den naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Universität Kabul - sicherlich ein hervorragender Anknüpfungspunkt für eine neue Zusammenarbeit. "Das war sicherlich die erschütterndste Dienstreise meines Lebens", sagte Clas Naumann, der selbst von 1970 bis 1972 Mitglied des deutschen Teams an der Universität Kabul war und unter anderem zum Aufbau eines Zoologischen Museums in Kabul beitrug. Bis Anfang der Achtziger Jahre reisten Bonner Wissenschaftler immer wieder nach Afghanistan. Im Austausch kamen viele afghanische Forscher zu einem Gastaufenthalt an den Rhein. Trotz der schwierigen Bedingungen will die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn jetzt ihre in der Vergangenheit bewährte Partnerschaft mit der Universität von Kabul wieder neu beleben und damit zum Wiederaufbau in dem vom Krieg schwer zerstörten Land beitragen. Als ersten Schritt hatte die Universität eine Kabul-Kommission eingesetzt, deren Vorsitz Clas Naumann übernommen hatte.
Nach der ersten Bestandsaufnahme vor Ort empfiehlt die DAAD-Delegation als "Erste Hilfe" unter anderem Kompaktkurse ("summer schools"), die für die verbliebenen afghanischen Hochschullehrer durchgeführt werden sollten. Da in Kabul die erforderliche Infrastruktur noch nicht wieder zur Verfügung steht, sollen diese Kurse zunächst an verschiedenen deutschen Hochschulen durchgeführt werden. Clas Naumann selbst hatte sich spontan bereit erklärt, an der Universität Bonn einen solchen Kurs zum Themenbereich "Biodiversität und Ökologie" durchzuführen.
Alle Teilnehmer der DAAD-Mission waren sich darüber einig, daß der politische Prozess des Neubeginns rasch und effektiv auch von Maßnahmen im Bildungssektor begleitet werden muß. "Die Studenten von heute werden die Lehrer und die Entscheidungsträger von morgen sein. Man muß darum so rasch wie möglich dazu beitragen, das Ausbildungsniveau wieder auf den alten Stand zu heben, um die besten Angehörigen der jungen Generation von der Straße zu bekommen. Die meisten von ihnen haben trotz hoher Begabung nicht das Privileg einer kontinuierlichen Ausbildung genießen können. Fremdsprachenkenntnisse sind dabei ebenso wichtig wie die Vermittlung des Fachwissens unserer Zeit", faßt Naumann zusammen.
In der Bürgerkriegszeit von 1992 bis 1995 lagen das Gelände der Universität ebenso wie der von deutscher Seite aufgebaute Zoologische Garten und das Zoologische Museum in der Hauptkampfzone. Der Universitätscampus wechselte in der Kriegsphase wenigstens viermal den Besitzer. Hierbei wurden weite Stadtteile fast dem Erdboden gleich gemacht und das Universitätsgelände massiv verwüstet. Jeder fünfte Universitätsmitarbeiter verlor im Zuge der jahrelangen Kämpfe das Leben. Die Universitätsprofessoren versuchten dennoch, den Lehrbetrieb notdürftig in anderen Stadtteilen aufrecht zu erhalten, zum Teil in Bussen der Kabuler Verkehrsbetriebe, in denen auch die Prüfungen abgehalten wurden. Als Ende 1995 wieder halbwegs normale Verhältnisse einkehrten, fanden die Hochschullehrer Ruinen vor, alle Gerätschaften waren gestohlen oder zerstört worden. "Sogar die Elektroleitungen waren von den Mudjahedin-Milizen aus den Wänden gerissen und als Altmetall nach Pakistan verkauft worden", berichtete Clas Naumann. Die Reste der einst beachtlichen Fachbibliothek sammelten die Hochschullehrer auf dem Universitätsgelände auf und brachten sie notdürftig unter. Gleiches gilt für das "Herbarium Kabulense", das eine bedeutende Dokumentation der afghanischen Flora darstellte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Delegation zeigten sich beeindruckt von dem in Kabul an vielen Stellen spürbaren Willen zum Neuanfang - trotz einer zu etwa 50% zerstörten städtischen Grundfläche, trotz fehlender Ressourcen und zum großen Teil noch immer nicht angekommener internationaler finanzieller Unterstützung der Übergangsregierung unter Präsident Karzai. "Ein besonderes Potential stellen die in Deutschland lebenden afghanischen Hochschullehrer dar, von denen viele bereit sind, sich beim Wiederaufbau ihrer Heimatuniversität zu engagieren".
Der DAAD wird nach Auswertung der Ergebnisse dieser ersten Kontaktaufnahme seine Unterstützung in erster Linie auf die beiden bereits früher von deutscher Seite geförderten Fakultäten, Natur- und Wirtschaftswissenschaften, fokussieren. Daneben ist es aber auch wichtig, an der literaturwissenschaftlichen Fakultät die Deutsch-Abteilung zu unterstützen und sie weiter auszubauen. Das sei, so die Delegationsteilnehmer, Deutschland den Afghanen angesichts der nahezu hundert Jahre alten engen kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern unbedingt schuldig. Deutschlandweit ist das Interesse an einer zukünftigen Kooperation mit der Universität in Kabul überaus groß. Für Interviews und Rückfragen durch die deutschen Medien stand Professor Naumann im Rahmen eines Pressegesprächs im Senatssaal der Universität Bonn selbverständlich zur Verfügung.
Uns steht Clas Naumann nicht mehr zur Verfügung. Humor und Menschlichkeit machten Clas Naumann zum geschätzten Hochschullehrer; Schlagfertigkeit und Hartnäckigkeit, aber auch Kompromißfähigkeit machten ihn zum geachteten Projektpartner und Kollegen. Sein Spezialwissen, aber auch seine Vielseitigkeit und Interdisziplinarität ermöglichten es ihm über Fachgrenzen hinaus zu blicken. Die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan (AGA) und die Deutsch Afghanische Hochschul-Gesellschaft (DAUG) verlieren in ihm nicht nur ein Vorstandsmitglied und ihren Präsidenten, sondern auch eine der aktivsten und kreativsten Persönlichkeiten. Das Erbe in seinem Sinne fortzuführen, muß für uns alle ein Ansporn sein.
Siegmar-W. Breckle / Bielefeld
3. März 2004
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