Staatliches Museum für Völkerkunde, München
Zusammenfassungen der Vorträge
(abstracts of papers)
Afghanistan: Land ohne Staat?
(Afghanistan: Country without State?)
15.-18. Juni 2000
Staatliches Museum für Völkerkunde
München
Maximilianstr. 42
D-80538 München
Gefördert durch das Auswärtige Amt,
die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und
die Fritz-Thyssen-Stiftung
[wir bitten um Entschuldigung, nicht von allen
Konferenzbeiträgen liegen Abstracts vor]
(sorry, some participants have not sent us their abstracts)
Donerstag, 15. Juni
Einleitungsvortrag
(Opening Lecture)
Reinhard Schlagintweit,
(Bonn)
Afghanistan – Land ohne Staat?
In dem Urteil „Land ohne Staat“ stecken objektive und subjektive Elemente.
Objektiv: Fehlende staatliche Ordnung, Nichterfüllung fundamentaler staatlicher
Aufgaben. Subjektiv: Chronische Verletzung kulturverwurzelten internationalen
Rechts.
In unserem Afghanistan-Bild sind beide Elemente vorhanden.
Die gegenwärtige Führung macht keine Anstalten, die Aufgaben, vor denen das
Land steht, zu lösen: die Einigung der ethnischen Gruppen, die Versorgung der
Bevölkerung mit materiellen und sozialen Grunddiensten, der politische und
wirtschaftliche Wiederaufbau.
Und sie versäumt es nachhaltig, sich an internationales Recht zu halten. Sie
lässt Drogenanbau, Drogenhandel, Schmuggel und Waffenhandel zu und schützt
internationale terroristische Gruppen. Sie verletzt auch der eigenen
Bevölkerung gegenüber fundamentale Menschenrechte. Die internationalen Normen
entstammen unserem Kulturkreis.
In gewisser Hinsicht erfüllt die Taliban-Herrschaft die traditionellen
Bedingungen eines – vormodernen - islamischen Staates.
In ihrem Verhalten unterscheiden sich die Taliban nicht wesentlich von dem der
Parteien der gegnerischen Koalition, die bisher stets eigene Macht- und
Bereicherungsansprüche über Kompromiss und Einigung stellten.
Daher muss man vermuten, dass die Schwäche und die Probleme des afghanischen
„Staates“ weniger in persönlichen als in strukturellen Mängeln bestehen.
Flucht und Vertreibung der gesamten Elite bewirkten eine soziale Revolution.
Dorf und Stamm haben über die Stadt gesiegt, ein extrem konservativer Islam
setzte sich gegenüber einem politischen Islam durch; die traditionellen Werte
von Stamm und Dorf verhindern jede Modernisierung. Gleichzeitig bewirken
Schattenwirtschaft und die Rückkehr der Flüchtlinge aus dem Ausland unmerklich
soziale Veränderung.
Da die Probleme des Landes vorwiegend struktureller Natur sind, lassen sich
qualitative Veränderungen nicht von personellem oder Parteienwechsel erwarten.
Sie sind nur langfristig denkbar, aber auch möglich. Geschichte und Kultur
haben eine dauerhaftes Gefühl der Identität geschaffen, das geeignet ist,
Afghanistan vor Zerfall und Chaos zu schützen. Das Ausland muss mitwirken.
Freitag, 16. Juni/
Panel
1. Politische Organisationsformen/
Dr. Christine Nölle-Karimi
(Mediothek für Afghanistan e.V., Universtät Bamberg)
Die Loya-Jirga — ein effektives politisches Instrument? Ein
geschichtlicher Überblick
In letzter Zeit knüpfen sich erneut die Hoffnungen auf eine politische Lösung
in Afghanistan an die Institution der loya jirga, die nach Ansicht vieler
afghanischer Politiker ein traditionell bewährtes Instrument für die
Beseitigung interner Konflikte darstellt. Historisch gesehen leitet sich die
"große" jirga von der Ratsversammlung auf Stammesebene ab, die
bei den Pashtunen gemeinhin zur Lösung spezifischer Probleme einberufen wird
und an der alle erwachsenen Männer gleichberechtigt teilnehmen. Aus der Sicht
der modernen afghanischen Geschichtsschreibung lässt sich die Entstehung der loya
jirga ins 18. Jh. zurück verfolgen. 1747 soll Ahmad Khan Abdali, der
Begründer des Durrani-Reichs, in einer Versammlung von Stammesführern zum
Oberhaupt der Paschtunen gewählt worden sein. Fortan, so heißt es, hätten
sich die afghanischen Könige in Krisenzeiten der Institution der loya jirga
bedient, um mit Hilfe der Stammesvertreter aus allen Teilen des Landes einen
nationalen Konsens zu sichern. Allerdings zeigt ein genauerer Blick auf die
Quellen des 18. und 19. Jh.s, dass die loya jirga zu jener Zeit keine
etablierte politische Institution darstellte. Größere Versammlungen wurden nur
selten einberufen und umfassten meist keine repräsentative Auswahl des
Stammesadels. Allgemein als majlis, "Ratssitzung", beschrieben,
fungierten sie als erweiterter Hofrat oder Versammlung der Höflinge. Letzteres
war 1893 der Fall, als Amir 'Abd al-Rahman Khan (r. 1880-1901) die militärische
Führung und den Stammesadel aus der Umgebung Kabuls einberief, um den Inhalt
des soeben mit den Briten ausgehandelten Durand-Vertrags zu verkünden. Da die
Anwesenden lediglich angehalten waren, einen fait accompli zu
sanktionieren, hatte dieser Vorgang zudem wenig mit demokratischen Idealen
gemein.
Die loya jirga ist in erster Linie ein Phänomen des 20. Jh.s. Habibullah
Khan (r. 1901-1920) scheint 1916 als erster afghanischer Herrscher Delegierte
aus allen Provinzen Afghanistans offiziell zu einer loya jirga geladen zu
haben. Danach lässt sich die Entwicklung dieser großen Ratsversammlung
parallel zum Wachstum zentralstaatlicher Institutionen verfolgen. Zwar diente
sie in Einzelfällen der Legitimation neu antretender Führungskräfte—1930
ließ Nadir Khan beispielsweise seinen Herrschaftsanspruch durch eine loya
jirga bestätigen—im Normalfall wurde sie jedoch einberufen, um staatliche
Modernisierungsmaßnahmen zu sanktionieren. So befassten sich die loya jirgas
von 1921, 1924, 1928, 1930 und 1964 vorrangig mit Vorlagen für die afghanische
Verfassung, die letztendlich die Auflösung eben dieser Institution zum Ziel
hatte. War Amanullah Khan 1928 noch mit dem Versuch gescheitert, die
Ratsversammlung durch ein Parlament zu ersetzen, fand ein ähnlicher
Gesetzentwurf 1964 die Zustimmung der Delegierten. Die Institution der loya
jirga überlebte zwar bis in die kommunistische Ära, veränderte sich
jedoch grundsätzlich in ihrer Zusammensetzung und verlor so den essentiellen
Charakter einer Stammesversammlung. Die loya jirga läßt sich somit als
politische Übergangsform ansehen, die ihre Existenz den Anfängen
zentralstaatlicher Interessen verdankte, schließlich jedoch durch deren
Ausformung ausgehöhlt, ja redundant wurde. Angesichts der Entwicklung, die
diese Institution im Lauf des 20. Jh.s durchgemacht hat, stellt sich die Frage,
in welcher Form sie für den gegenwärtigen politischen Prozess von Nutzen sein
könnte.
Dr. Bernt Glatzer
(Zentrum Moderner Orient, Berlin und Deutsche Stiftung für internationale
Entwicklung, Bad Honnef)
Politische Entscheidungsstrukturen im ländlichen Raum.
Die Formen der traditionellen ländlichen politischen Organisation in
Afghanistan werden skizziert: jirga, khan, Älteste, Kommandanten,
und es wird die Frage diskutiert, ob die traditionelle jirga
(Ratsversammlung) ein Modell für die Organisation eines politischen Konsens auf
nationaler Ebene sein könnte. Die Antwort des Referenten ist eher negativ: die jirga
findet grundsätzlich erst dann statt, wenn feststeht, dass alle Beteiligten
eine Einigung ernsthaft wünschen. Die jirga ist ein Forum, auf dem man
dann die Modalitäten der Einigung verhandelt und die Einigung verkündet. Z.
Zt. ist aber in Afghanistan der Wille der Konfliktparteien um Frieden und
Einigung nicht erkennbar. Die jirga oder loya jirga könnte am
Ende einer politischen Lösung des Afghanistankonflikts stehen, nicht am Anfang.
Prof. Dr. Max Klimburg
(AG Afghanistan, Universität Wien)
Die gegenwärtige Situation in Nuristan
Die Bevölkerung von Nuristan, ehemals Kafiristan, an der Südflanke des
Hindukusch im NO von Afghanistan gelegen, hatte seit seiner Islamisierung Ende
des 19. Jahrhunderts gewisse Bevorzugungen durch den königlichen Hof in Kabul
genossen. Empörung über das neue Regime von 1978 führte dort bereits gegen
Ende 1978 zu Revolten. Die Abgelegenheit des Gebiets bewahrte es jedoch zum
Glück weitgehend von direkten Einwirkungen des Kriegs 1978-1992. Nur das im
äußersten Osten, nahe der Grenze mit Pakistan gelegene Bashgal-Tal wurde Opfer
von Kriegshandlungen. Nuristanische Flüchtlinge in Pakistan rekrutierten sich
fast zur Gänze aus jenem Gebiet.
Die politische Zerrissenheit des Widerstands spiegelte sich deutlich in den
parteiischen Gruppierungen in Nuristan. Politische Auswirkungen sind auch heute
noch wirksam, aber die noch recht schwache Präsenz der Taliban im Tal wirkt
sich langsam aus. Eine Entwaffnung der Bevölkerung wurde noch nicht angeordnet.
Für die fast schon traditionellen Feindseligkeiten zwischen Dorfgemeinschaften
vor allem im Bashgal-Tal ist weiterhin viel „Feuerkraft“ vorhanden. Die
Rolle der Dorfgeistlichen hat natürlich stark an Bedeutung gewonnen. Über
Nuristan führten immer wieder wichtige Verbindungs- und Versorgungswege
zwischen Pakistan und dem Panjshir-Tal, die dem Beistand für die Streitkräfte
des Masud dienten. Man konnte davon beträchtlich profitierten. Im Waigal-Tal
wurde 1987 viel Bautätigkeit beobachtet. Mit dem Abzug der sowjetischen Truppen
wurden diese mühsamen Wege schnell unwichtig.
Gegenwärtig ist man besonders am Weiterbau von Straßen in das Gebiet, am
Neubau der Häuser (zum besseren Schutz der Privatsphäre) und am Verkauf von
Waldgebieten an pakistanische Unternehmer interessiert. Die einst großen
Waldbestände Nuristans (die letzten Bestände Afghanistans) mit ihren
wertvollen Himalaya-Zedern werden zusehens durch massive Schlägerungen
reduziert. Gegenmaßnahmen fehlen weitgehend.
Statements
2. Deutsche Afghanistanpolitik/
Ulrich Fischer
(Bündnis 90/Die Grünen, Berlin)
Parlamentarische Aktivitäten zu Afghanistan
Mein Beitrag wird einen kurzen Abriß über die parlamentarischen Aktivitäten
des Deutschen Bundestages zu Afghanistan – von der ersten interfraktionellen
Afghanistan-Anhörung in 1986 bis zur gerade anstehenden Delegationsreise des
Menschenrechtsausschusses im Mai 2000 nach Afghanistan – umfassen. Den
gesamten Zeitraum überblicke ich in meiner Eigenschaft als Abgeordneter, sowie
später als Referent und politischer Berater.
Naturgemäß werde ich mich auf die – dann absolut aktuellen – Ergebnisse
der Delegationsreise des Menschenrechtsausschusses konzentrieren, die darauf
orientiert ist, insbesondere die Lage der Frauen in Afghanistan kritisch zu
hinterfragen.
Panel
3. Staat und Ideologie/
Angela Parvanta
(Universität Bamberg)
Afghanistan - Land der Afghanen? Zur Genese einer problematischen
Staatsbezeichnung
1747 gilt allgemein als das "Geburtsjahr" Afghanistans. Ein
Begriff, der nach den meisten afghanischen Quellen die Jahrtausende umfassende
Kontinuität des geographischen Raumes als Entität von Aryana über Khurasan
und schließlich dem Reich Ahmad Schah Abdalis (später Durrani) Afghanistan
darstellt.
Der Begriff "Afghane" wurde und wird bis heute als Fremdbezeichnung
für die Paschtunen gebraucht. Vorläufer des heutigen Staates
"Afghanistan" trugen diesen Namen zum ersten Mal um 1801; wohl
ebenfalls zunächst als Fremdbezeichnung. Erst in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts wurde der Begriff als Eigenbenennung dieses Staates anerkannt. Die
afghanischen Regierungen im 20. Jahrhundert versuchten, im Rahmen der Idee der
nationalen Einheit, alle Einwohner des Landes unter der Bezeichnung
"Afghanen" zu vereinen. Wie aber sollte dies bewerkstelligt werden,
wenn mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft sich nicht mit dem anvisierten
Begriff identifizieren konnte? Als Gegenreaktion gab es Versuche seitens der
ethnischen Minderheiten, neue Wörter zu schaffen, um sich ethnisch von den
Paschtunen zu distanzieren. Unter der kommunistischen Regierung und ihrer
Nationalitätenpolitik nach sowjetischem Vorbild wurden so z.B. neue Namen für
das Land und seiner Einwohner entworfen (z.B. Khorasan, Azadistan).
In dem Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, seit wann der Begriff
Afghanistan auf das Territorium des Staates und seiner gesamten Einwohnerschaft
angewendet wurde und inwieweit diese Bezeichnung auf Akzeptanz seitens der
Bevölkerung stieß. Identitätsstiftend für die Mehrheit im Lande blieb
weiterhin die lokale Ebene, erst in Zeiten externer Bedrohung entwickelte sich
ein territoriales Gemeinschaftsgefühl, das durch die Erfahrung von Krieg,
Flucht und Abwanderung geprägt war. Zum ersten Mal in der modernen afghanischen
Geschichte ergab sich nach 1980 das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit nicht
nur auf lokaler oder regionaler, sondern auch auf nationaler Ebene.
Mit der zunehmenden Dominanz der Taliban und ihrer Paschtunisierungspolitik
scheint sich nun der Prozeß wieder umzukehren und statt nationalen, eher die
lokalen und ethnolinguistischen Identitäten zu festigen.
Conrad Schetter
(Mediothek für Afghanistan e.V., Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF),
Bonn)
Nationale Ideologien in Afghanistan
Seit dem 19. Jahrhundert sind Staaten nur noch als Nationalstaaten denkbar. Um
seiner Selbsterhaltung willen, ist jeder Staat bemüht, zum einen mittels seiner
nationalen Ideologie seine Existenz im hier und jetzt zu begründen, zum anderen
in der Ausrichtung seiner nationalen Ideologie die kulturellen Aspekte, die für
seine nationale Bevölkerung typisch sind, zu reflektieren.
Die politischen Eliten versuchten seit der Staatsgründung Afghanistans Ende des
19. Jahrhunderts, dem Staat Afghanistan in unterschiedlicher Weise über die
inhaltliche Ausformulierung der nationalen Ideologie eine bestimmte Orientierung
zu geben. Wenn sich auch diese nationalen Ideologien voneinander in vielen
Aspekten unterschieden, waren sie dennoch immer in einer bestimmten Weise
ethnisch oder religiös gefärbt. Dies hatte letztlich immer die Ausgrenzung von
Teilen der Bevölkerung aufgrund religiöser und ethnischer Andersartigkeit zur
Folge und barg ein hohes gesellschaftliches Konfliktpotential. Diese nationalen
Ideologien spiegelten die herrschenden Machtverhältnisse wider, so daß mittels
dieser der Staat einflußreiche Interessengruppen bevorzugte bzw. versuchte,
diese für die staatliche Politik zu gewinnen. Setzten die afghanischen
Herrscher zwischen Anfang des 20. Jahrhunderts und den 70er Jahren aufgrund der
militärischen Stärke der paschtunischen Stämme auf eine paschtunische
Ausrichtung der afghanischen Nationalideologie, so versuchte die kommunistische
Regierung der 80er Jahre, über eine Nationalitätenpolitik die ethnischen
Minderheiten für die eigene Politik zu gewinnen.
Es erhebt sich die Frage, über was für eine Nationalideologie ein
zukünftiges, friedliches Afghanistan verfügen soll. Welche kulturellen Momente
gibt es, durch die sich eine möglichst große Zahl an Afghanen miteinander
verbunden fühlt und durch die sich Afghanistan dennoch von seinen Nachbarn
abgrenzen läßt.
Prof. Vladimir Boyko
(Center for Regional Studies, Moskau)
The Concept of Afghan Statehood in Soviet Politics and Scholarship
I'd like to begin with short introduction, covering early Soviet efforts
(1919-29) to introduce leftist/nationalist ideological frameworks and political
networks through official/clandestine diplomacy as well theoretical/political
activities by Comintern. Soviet multi-departmental pragmatic approach ranged
from the support of irredentist quazi-republican patterns (Herat),
elite-rotated, primarily Tajik Kabul Emirate, till liberal-conservative
pro-Pashtun Nadir'monarchy. The main part of paper will be devoted to recent
developments of 1970-s-90s, when new state-political set-up was inroduced in
Afghanistan with significant direct/indirect Soviet involvement. The main Soviet
political and intellectual elite'approaches towards Afghanistan state/ideology
will be discussed here.
The conclusive considerations will cover present (post-Soviet) Russian
understanding of Afghan situation and possible models of Afghan statehood,
including the one, that had been developed by Taliban. The particular attention
will be given to the state of Russian current scholarship/expertise on
Afghanistan and its role in decision-making process, public opinion, etc.
Finally, the paper analyses the state and attitudes of Russia-based Afghan
community as an element (just virtual - Diasporic or socio-integral) of future
Afghanistan.
Rameen Javid Moshref
(New York University)
View Of State By Afghans Abroad
In this work-in-progress paper, the scope of state in the backdrop of Afghan
history would be considered. Theoretical comparisons would be made of some
contemporary Afghan scholars and publications abroad. The rise of the former
left and the young generation in the face of current stalemate would be
outlined. Influence of contemporary political-theatrical thought would be
discussed, as it contributed to a new realignment of Afghan socio-political
activists. Contemporary political activists and sociopolitical polarity in
response to current events inside Afghanistan makes up the major theme of this
paper. How leadership, as a paradigm in popular view, impedes the peace process
in the Afghan thought would be explained. The future of Afghanistan as it is
perceived by the nostalgic but westernized new generation would also be
expressed.
Panel
4. Afghanistan im regionalen Kontext/
Prof. Dr. Karl Jettmar
(AG Afghanistan, Universität Heidelberg)
Afghanistan – Die Tragödie weitet sich aus
Mögliche Konfliktlösungsstrategien für Afghanistan sind einer der
Schwerpunkte dieses Tagungsblockes. Eine, angesichts der gegenwärtigen Lage,
höchst schwierige Aufgabe.
Dabei gilt es, sozusagen als Voraussetzung, zunächst einmal die derzeitiger
Situation zu klären, wesentliche Fragen zu beantworten. Wer hat Interesse am
Fortbestand dieses Konfliktes? Welche Interessen und Ziele verfolgen diejenigen,
die den Konflikt am Leben erhalten? Was ist der Nutzen, den die am Konflikt
Beteiligten aus dem Nicht-Beenden des Krieges ziehen? Was macht den
Kriegszustand erstrebenswerter als den Frieden?
Auf diese Fragen erhoffe ich, im Verlauf der Vorträge und Gespräche eine
Antwort zu finden. Meine Ausführungen werden sich mit einem weiteren, ebenfalls
wesentlichen Thema beschäftigen: dem regionalen Aspekt.
Aus einem Blickwinkel, der sich nur auf Afghanistan selbst beschränkt, dürfte
es, meiner Meinung nach, zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr möglich sein, den
Krieg zu verstehen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Ich sehe die dringende
Erfordernis, die politische Gestaltung des „freigegebenen“ Mittelasiens
insgesamt zu thematisieren. In dieser Region wirkt noch die bisherige
Nationalitätenpolitik der ehemaligen Sowjetunion weiter. Diese förderte das
Wissen um die eigene Geschichte, in der der Islam nur eine zeitlich begrenzte
Rolle spielt. Diese Perzeption des Islam ändert sich seit einigen Jahren.
Usbekistan beruft sich heute beispielsweise auf Timur, der dort trotz seiner
grausamen Untaten, die er auch an Moslems verübte, mittlerweile zum Volksheld
hochstilisiert wird.
Das Ende des Kalten Krieges führte auch in dieser Region zu einer
Wiederbelebung und Intensivierung von Kommunikationswegen, die über Jahrzehnte
unterbrochen waren. Alles ist wieder in Bewegung, neue Ideen werden begierig
aufgenommen, auch der fundamentalistische Islam als neues Fundament für
nationalistische Bestrebungen. Regional von Afghanistan aus operierende
Agitatoren – manche mögen das Wort ‚Missionar' bevorzugen – üben nun
auch dort ihren Einfluss aus. Das tun sie so erfolgreich, dass sich heute der
‚Afghanistankonflikt' nicht mehr lösen lässt, ohne diese Region mit
einzubeziehen, was die Lage allerdings nicht einfacher macht.
Die beteiligten Mächte und Interessengruppen müssen, so sie denn überhaupt an
einem Ende des Krieges interessiert sind, für alle Möglichkeiten offen sein.
Dazu gehört auch die Bereitschaft, die bisherigen nationalstaatlichen
Zuordnungen neu zu überdenken oder gar die Anwendbarkeit der Idee des
Nationalstaats auf diese Region überhaupt.
Prof. Amin Saikal
(The Australian National University, Canberra)
The Role of Outside Actors in the Afghan Conflict
The tragedy of Afghanistan continues to dog regional stability. The
Cold War Afghan crisis has been transformed into a post-Cold War
ethno-nationalist struggle. While this conflict derives in part from
Afghanistan's own ethnic fractures, it is aggravated by the fact that outside
actors have found it increasingly convenient to focus their national and
strategic interests on Afghanistan's disturbed politics. This outside
involvement has not only further polarised the Afghans along ethnic lines, but
it has also heightened the tensions among external actors – a worrying
development in a region of numerous potential or active international conflicts,
including the Indo-Pakistani dispute over Kashmir. Pakistan's support of the
predominantly Pashtun and ultra-fundamentalist Islamic Taliban militia,
which initially commenced with massive financial assistance from Saudi Arabia
and some degree of US acquiescence, shows no sign of waning. This in turn has
deepened the anxiety of Iran, the Central Asian republics (especially Tajikistan
and Uzbekistan), Russia and India to maintain their backing of the non-Pashtun,
anti-Taliban forces.
Cross-border ethnic clientelism has thus emerged as a formidable obstacle to
achieving peace in Afghanistan, and collective peace and security in South-west
Asia – the region comprising Afghanistan, Iran and Pakistan, as well as the
Central Asian republics. Trans-border ethnic nationalism, ethno-nationalist
conflicts and major-power exploitation of these conflicts now dominate the
region's geopolitics.
In the search for a solution to the crisis, the US must take the lead, enlisting
international support to pressure Pakistan to cease its support of the Taliban
and choose the path of negotiation as the best way to achieve a viable political
solution based on a loose federal system. Only such a solution can save
Afghanistan from further bloodshed.
Neamat Najumi
(Fletcher School of Diplomacy. Somerville)
The Role of Afghanistan in International Security
The strategic location of Afghanistan makes the people of this country important
player in the restoration of international security. This important role has
placed Afghanistan in the forefront of regional and international politics. The
continuing civil war in Afghanistan is one of the most important obstacles for
the restoration of security and stability in the region. The civil war has its
roots in the conflicted regional interests of Afghanistan's neighbors, which
have converted the civil war from a domestic/national conflict into a regional
and international one. Afghanistan can play an important role in the economic
development of Central Asian nations by providing short and affordable ground
transportation access connecting the newly independent countries to the
Subcontinent market and also to the Indian Ocean.
In the time of peace and security, the people of Afghanistan would participate
in the re-establishment of the ancient Silk Road, which could connect the
nations in this region. The construction and expansion of the existing highways
and the possibility of constructing railroad connection will modernize export
and import. Modernization of transportation will foster economic interdependency
in the region; it would allow the Central Asian nations to connect their
business to the global market, and become involved with the advanced
technologies in industrial countries. All these can be achieved if the civil war
in Afghanistan ends and the people are able to form a broad based and
international recognizable government.
The continuation of civil war in Afghanistan poses the following threats to the
international peace and security:
- From the first stage of the Soviet invasion, the opium production has
linked to the international narcotics trade. The globalization of war in
Afghanistan has increased the opium production to 2,800 tons in 1997, which
comprises about half the world's heroin. This massive cultivation of opium
in Afghanistan has caused the emergence of the Golden Crescent, which
becomes the second largest drug production place in the world. The Golden
Crescent finances the killing machine of civil war in Afghanistan and poses
serious threats to the international peace and security.
- An internationally organized network of Islamic fanatics has emerged out
of the dust of the Soviet invasion and civil war in Afghanistan. Many of
these groups help one another to conduct armed-political missions in their
countries and elsewhere. In this regard, Afghanistan has become a training
ground for these international fanatic organizations, which give them
disproportionate influence in regional and international security.
Since 1979 the war in Afghanistan is not an Afghan war any more; it has strong
ties to regional and international conflicts. In order to bring peace and
stability in Afghanistan, the cooperation of the neighboring countries, active
involvement of the United Nations, and the positive engagement of the United
States are required. Helping the people of Afghanistan to restore peace in their
homeland will improve regional stability and it also will pacify the increasing
threats by the narcotic syndicates or fanatic organizations against the
international security.
Samstag, 17. Juni/
Panel
5. Desintegration/
Ahmed Rashid
(Far Eastern Economic Review, Islamabad)
Tribe and State After 1992
1. Loose historical arrangement between centralised state and semi-autonomous
tribes broken down by war. Ethnic factors. Afghanistan is a multi-ethnic state
but Taliban refuse to recognise new post-Jehad role of ethnic minorities. No
room for non-Pashtuns in leadership councils. No concept of state,
representative government or economic development. Successive Afghan governments
have problem of legitimising their occupation of Kabul when all traditional,
historical legitimising processes and systems have broken down.
2. Pashtun factors
a) Taliban drawn largely from Durranis and give no room to Ghilzais in
leadership councils. Ghilzais only used as manpower source.
b) Taliban's Islam denies tribal structures and system but in practise depends
upon them in non-Durrani areas.
c) New economic mafia running drugs and smuggling trade constituting a new
Taliban-Pashtun trader-transport elite undermining old tribal system and forging
new links with similar Pakistani Pashtun mafia and elite in Central Asia.
d)Return of refugees to Ghilzai areas creating new tensions over land, water etc
and Taliban have no legitimacy to judge such cases.
3. Islam
a) Deobandi Islamic beliefs of Taliban mitigate against tribal system, undermine
it and other tribal unifiers such as Sufism. Anti-Shia, anti-Western ideology
new adjuncts to Taliban ideology and denial of Afghan Islamic tolerance.
b) Jehad concept amongst Pashtuns weakened as war against Masud continues.
c) Pashtunwali applied in its totality by Taliban negates Islam and unacceptable
amongst non-Pashtuns.
d) Islamism as a mean to unite Afghans already failed under Hikmetyar despite
efforts by Pakistan and Saudi Arabia.
4. Future
a) Taliban a movement and not a party or government that can govern or solve
peoples problems.
b) Major splits erupting between Durrani-Pashtun and amongst themselves on
Kabul-Kandahar basis. Fear of inter-Taliban civil war.
c) Dependence on war as only means to keep Taliban united means natural
extension into other regions like Pakistan and Central Asia as Taliban give
sanctuary to dissidents.
d) Zahir Shah option and discussion of reassertion of traditional means to
legitimise a government of reconciliation.
Dr. Rassul Rahim
(Wuppertal)
Defeat of State-Building in Present-Day Afghanistan
1. Old scars of insufficiency in pre-modern Afghan statehood
Although Afghanistan was the center of famous Empires, Kingdoms, and local
dynastic rulers for centuries, these never formed organic states and could not
penetrate the socio-economic development of the society.
2. Post-colonial experiences, un-proportioned balance of modernization
Independent Afghanistan inherited a centralized state with a stabilized
political situation, autocratic experiences and a very back warded economy. King
Amanullah Khan's wide-scale reform and modernization programme failed. From
1930-1973 Afghanistan restored again political order, gradual and selective
modernization. The major benefits of these achievements were shared by the urban
center. The state itself was a self-interested bureaucratic agency with a civil
and a military wing but not a nation-state.
3. April 1978: Coup of the PDPA and its consequences
On one side there was a reign of terror and imprisonment of the opponents of the
coup, on the other a spontaneous countrywide uprising against the coup emerged.
Islamic parties established in Pakistan and Iran, supported with money and
weapons from the West. They therefore took the leadership of resistance. Afghan
national resistance was changed to a proxy-war between East and West. When the
Soviet troops left Afghanistan, there was no reason to continue the „Holy War“.
Instead of this an ethnic and religious war was kindled - the UN supervised
peaceful transition of power was sabotaged in 1992.
4. The impact of the free-market globalization and the emergence of the Taliban
The Taliban are the free-market guards, partners of the Pakistani drug mafia and
in the pipeline dealings. A semi-sovereign corridor like Taliban's Afghanistan
which reduces the concept of a nation-state to provide security for a vegetative
life of the people could be very beneficial for the outlaw international groups
and enterprises.
5. Inter-Afghanic Peace Initiatives
These are very important to reach an understanding and goodwill among Afghans.
But for a determined peace-building process we need a third party with an
outstanding authority - for the time being this is concentrated in the hands of
the UNO. But if we realistically take into account the situation inside the
country with two existent forces who do not want to give up their privileges and
on the other hand are not capable to lead the country towards a clear and
peaceful future, we have to confess that for the time being we reached a dead
end. The day will come that the warring factions inside Afghanistan realize
their inability to continue the war – hopefully supported by a strict embargo
of weapons imposed through the UN, the superpowers and the neighbouring
countries.
6. Organizing Strategic Groups
A peaceful solution then needs a third efficient neutral Afghan party realized
through transparent practices, democratic decisions and confidence-building
measures. The best possible refuge is to organize strategic groups composed of
people inside and outside the country who can organize the Afghans who are
hoping to see an end of the fraternical war and of the rule of warlords. These
broad-based and coordinated groups could help to fill the present political
vacuum and the present lack of alternatives.
Jonathan Goodhand
(Manchester)
From Holy War to Opium War?
This paper examines the recent growth of the opium economy in North Eastern
Afghanistan. A detailed analysis of one village in Badakshan Province reveals
profound changes in the local economy and social institutions. The paper
describes two major shifts in the local economy (1) the switch from wheat to
poppy cultivation (2) the shift from the livestock trade to the opium trade. It
then examines the underlying causes and impacts of the opium economy on social
relations in the village. Although a case study of a community living on the
margins of the global economy, it is argued that these changes have important
implications for international policy makers. The emergence of the opium economy
in North Eastern Afghanistan is symptomatic of new and expanding forms of
transborder trade, associated with the restructuring of the global political
economy.
Diskussion/Discussion
6. Islam und Politik/
Michael Lüders
(Die Zeit, Hamburg)
Die Madrasas – Kaderschmiede der Taliban?
Die Taliban sind mi den religiösen Hochschulen, den Madrasen (der korrekte
Plural müßte eigentlich lauten Madrasas), in Pakistan untrennbar verwoben. Vor
allem mit einer ganz bestimten Madrasa, der Haqqania, zwischen Islamabad und
Peshavar gelegen.
Die meisten Minister und Führer der Taliban haben dort studiert, in den
Semesterferien kämpfen viele haqqania-Studenten, die zu gut zwei Dritteln aus
afghanischen Flüchtlingsfamilien stammen, Seite an Seite mit den Taliban.
Niemand kennt die genaue Zahl der Madrasas in Pakistan, offiziell registriert
sind mindestens 10000. Sie finanzieren sich überwiegend mit Spenden aus dem In-
und Ausland, vor allem aus der Golfregion. Die Zahl der Religionsstudenten geht
in die Hunderttausende, und seit dem Erfolg der Taliban steigt sie ständig.
Einfache Menschen, tief religiös und ungebildet – ein idealer Nährboden für
die vorherrschende Madrasa-Philosophie des Dschihad: Der Weg zur Erlösung
führt über das Schlachtfeld, egal wo.
Panel
7. Tradition und Moderne/
Dr. Rangin Dafar Spanta
(Universität Aachen)
Die Krise der gesellschaftlichen und politischen Strukturen Afghanistans
1. Zerstörung der Tradition
Im Laufe des Widerstandes ist der traditionell entstandene gesellschaftliche und
politische Konsens zusammengebrochen. Die traditionelle Elite wurde durch die
politischen Eingriffe der "Demokratischen Volkspartei Afghanistans"
und die sowjetische Armee entweder ausgeschaltet oder sie erwies sie sich
während des Widerstandes als unfähig. So gesehen, fehlen in Afghanistan die
traditionelle Elite bzw. Legitimation, wie sie vor der sowjetischen Invasion
vorhanden waren.
2. Die Krise und das Scheitern der "Halbmoderne"
Begünstigt durch den "Kalten Krieg" und islamistische Aufstände der
80er Jahre, haben sich die afghanischen Islamisten an die Spitze des
Widerstandes gesetzt. Der Islamismus will die Moderne islamisieren, er lehnt
jedoch deren Kernaussage, "Kulturelle Moderne" und deren
"menschenzentrierte Substanz" ab. Der afghanische Islamismus war trotz
internationalistischer Behauptungen lokal, völkisch und ethnisch organisiert
und orientiert. Diese "halbmoderne" Ideologie war nicht fähig, eine
landesweite Alternative zu bilden. Sie ist an eigenen Widersprüchen und an
realen Bedingungen der afghanischen Gesellschaft gescheitert. Der Versuch, den
Krieg radikaler zu ethnisieren führte zur Intensivierung der gesellschaftlichen
Spaltung.
3. Das Fehlen einer charismatischen Persönlichkeit
Der afghanische Widerstand hat keine charismatische nationale Figur
hervorgebracht. Die neue "halbmoderne" Elite der Gesellschaft fand nur
innerhalb ihrer eigenen Herrschaftsgebiete eine "Legitimation". Die
Führungspersönlichkeiten hatten und haben lokalen Einfluß. Die traditionelle
Elite und Figuren können nicht angesichts des vorhandenen Gewaltpotentials und
der "Emanzipation" der Völkerschaften Afghanistans nationale
Zustimmung finden.
4. Selbstblockade der Moderne und das Fehlen einer demokratischen Alternative
Die sowjetische Invasion und der Widerstand haben die modernen politischen
Bewegungen und Institutionen zerstört und diskreditiert. Um nicht mit
Sowjetkommunisten verwechselt zu werden, distanzierte sich praktisch die
demokratische Bewegung Afghanistans von ihren weltlichen, demokratischen
Förderungen. So erlegte sie sich eine Selbstblockade auf. Die Zerstörung der
Städte, Universitäten, die systematische Zerstörung der modernen
Produktionsstätten, die Ermordung und Vertreibung der Bildungsschicht sowie das
Ausschalten der Technokratie vernichteten die soziale Basis der Demokratie in
Afghanistan. Nun gibt es in Afghanistan keine relevante demokratische Bewegung,
die innerhalb der Bevölkerung von Bedeutung wäre. Die erwähnten krisenhaften
Entwicklungen ermöglichen weiterhin den Warlords und ihren internationalen
Unterstutzern, ihren schmutzigen Krieg in Afghanistan fortzusetzen.
Dr. Rangin Dafar Spanta
(Universität Aachen)
The Crisis of Social and Political Structures in Present-Day
Afghanistan
1. Traditions destroyed
In the Afghan resistance struggle, the old social and political consensus has
broken down. Traditional elites were either removed by the "Democratic
People´s Party of Afghanistan" as well by the Soviet army, or else they
proved ineffectual. As a consequence any traditional elite and its legitimation
that existed prior to the Soviet invasion have disappeared.
2. Crisis and failure of a "semi-modern" ideology
The Cold War and political turmoil in the 1980s gave Afghan Islamists an opening
to spearhead the resistance movement. While Islamism typically aims for formal
modernisation without cultural modernisation and its essential focus on
individual rights, there is a characteristically Afghan brand of Islamism. It
is, in spite of all its claims to internationalism, exclusively based on local
and ethnic criteria. This "semi-modern" ideology was incapable of
providing Afghanistan with a nationally accepted basis. It lost out to the
existing conditions of Afghan society as well as to its own contradictions. The
war being waged along ethnic lines further sharpened those divisions.
3. Lack of charismatic leaders
Afghan resistance was not able to produce any charismatic leader. The
"semi-modern" elites could only achieve legitimacy and influence
within their own particular areas of domination. In the face of the
"emancipation" of Afghan ethnic groups and of the existing potential
for violence, they did not gain any nation-wide acceptance.
4. Modern ideology self-destructing, the lack of democratic alternatives
In Afghanistan modern-type political movements and institutions have been
destroyed and discredited through the Soviet invasion and the resistance
struggle. The democratic movement that hat existed before distanced itself from
any secular and democratic demands so as to avoid being seen as the stooge of
Soviet communism. Thus it self-destructed. Any social basis for democracy to
exist in Afghanistan has been ruled out by the destruction of towns and
universities, by the systematic demolition of production facilities, as well as
the expulsion of the bourgeois class and the removal of the technocrats that
lived in the country. There is no democratic movement left in Afghanistan that
might be of any significance to its people. The developments sketched out here
will continue to provide warlords in Afghanistan and their international
supporters with all the opportunities to carry on with their dirty war in the
country.
Bruce E. Koepke
(The Australian National University, Canberra)
Finding a Balance between Religious Orthodoxy and the Maintenance of
Afghanistan's Performative Traditions
This paper discusses the importance of performative practices as a vital aspect
of Afghanistan's intangible cultural heritage. Folklore traditions, such as
music and dance, are the most vulnerable form of individual and collective
creativity. The preservation of performative practices and cultural traditions
is valued and actively promoted by the United Nations and implemented by many
governments. Performance traditions are a powerful means of bringing together
different peoples and social groups and of asserting their cultural identities,
with the potential of fostering social harmony.
In Afghanistan, civil war and ethnic conflict have meant that living conditions
are far from harmonious. The continuation of cultural creativity through
performative practices is now threatened by the imposition of orthodox Islam
throughout all provinces. Whereas historically, cultural traditions enabled a
meaningful exchange of ethnic values in multi-ethnic Afghanistan, artistic and
performative practices have virtually disappeared and instead have been replaced
with violence.
Drawing on field work undertaken in 1998 and 1999, I will describe the impact of
the censorship of performative practices upon the social life of eponymous
groups in Badakhshan, Afghanistan, and elucidate the implications for
Afghanistan's cultural heritage.
Heike Bill
(Welthungerhilfe, Jalalabad)
Afghanistan: Land ohne Staat – Macht das für die Frauen wirklich einen
Unterschied?
Die im Afghanistan des 20. Jahrhunderts zaghaft entstandenen Möglichkeiten für
Frauen der Ober- und Mittelschicht – mit dem Zusammenbruch des Regimes von
Najibullah sind auch sie von der Bildfläche verschwunden. Immer wieder werden
diese Veränderungen, teils sehr vereinfacht und unter Verzerrung der
tatsächlichen Verhältnisse, zum Anlass genommen, um über „Fortschritt“
und „Rückschritt“ in Afghanistan zu diskutieren. Doch welche Auswirkungen
hatten sie wirklich auf die „unsichtbare“ Hälfte der afghanischen
Bevölkerung? Welche Vorteile und welche Verluste erhalten oder erleiden Frauen
durch den Wechsel der Regimes, gleich welcher ideologischer Ausrichtung? In
diesem Beitrag wird der Versuch unternommen zu zeigen, dass die Mehrzahl der
afghanischen Frauen sicherlich in den vergangenen Jahrzehnten dramatischen
Ereignissen ausgesetzt war, diese auf ihre unmittelbaren Lebensumstände jedoch
nur zeitweise Einfluss hatten. Afghanische Frauen im Exil, Frauen in
Afghanistan, Rückkehrerinnen nach Afghanistan – sie alle sind letztlich
stärker den Entscheidungen der Familie, insbesondere der männlichen
Familienmitglieder, als den Einwirkungen der politischen Machthaber ausgesetzt.
Es wird in Zweifel gezogen, ob ein wie immer gearteter afghanischer Staat, ob
eine wie immer geartete, sei es auch wohlgemeinte, Einmischung von außen die
Lage der afghanischen Frauen verändern wird. Zumindest solange, wie sich in den
traditionellen Strukturen und Beziehungen kein Wandel vollzieht.
Afghanische Männer tolerieren und arrangieren sich mit Veränderungen im
öffentlichen Bereich (bîrûnî), solange ihre Herrschaft im inneren, privaten
Bereich (andarûnî) nicht angetastet wird.
Berücksichtigen politische Machthaber diese Interessen, wird es ihnen möglich
sein, auf die Passivität und Duldung breiter Kreise der männlichen
Bevölkerungen zu setzen, nicht zuletzt, da die Masse der männlichen
afghanischen Bevölkerung nicht an einer Beseitigung der traditionellen
Verhältnisse interessiert ist, diese vielleicht sogar objektiv die einzige
Stütze für das Überleben des traditionellen Familienmodells in der
gegenwärtigen Situation darstellen.
Es wird weiterhin versucht, aus diesen Verhältnissen die Rahmenbedingungen
einer „gender-sensitiven“ Not- und Entwicklungshilfe abzuleiten und das
Spannungsfeld zwischen Erwartungen und realistischen Möglichkeiten zu
diskutieren.
Dr. Peter Schwittek
(Caritas, Kabul)
Über das Erziehungswesen unter der Talibanregierung
Der Referent war von 1973 bis 1977 Dozent fuer Mathematik im Partnerschaftsteam
der Universitaet Bonn an der Universitaet Kabul. In Krieg und Buergerkrieg hat
er sich in verschiedenen Funktionen fuer die Bevoelkerung Afghanistans
eingesetzt. Seit 1998 leitet der das COFAA-Buero in Kabul, das von verschiedenen
nationalen Caritas-Organisationen finanziert wird (COFAA = Caritas Agency for
Aid to Afghanistan).
COFAA hatte 1998 die Bemuehungen einzelner Kabuler Moscheegemeinden, Jungen und
Maedchen Schulbildung anzubieten, unterstuetzt. Das muendete im Sommer 1999 in
ein Moscheeschulprogramm fuer Jungen und Maedchen bis Klasse 4 in der Stadt
Kabul. Dieses wird von COFAA und dem Ministerium fuer Islamische Angelegenheiten
gemeinsam verantwortet. Die Unterrichtsinhalte entsprechen denen der staatlichen
Schulen. Diese sind allerdings fuer Maedchen geschlossen und bieten wegen der
Unterbezahlung der Lehrer auch Jungen allenfalls mangelhaften Unterricht. Das
Moscheeschulprogramm wurde Ende 1999 in Kabul von ueber 13,000 Kindern besucht.
Der afghanische Ministerrat hat das Programm als vorbildlich anerkannt und
beschloss, entsprechende Schulen im ganzen Land einzurichten.
Vor dem Hintergrund der urspruenglichen Haltung der Taliban zum Schulunterricht
fuer Maedchen ueberrascht dieses Engagement afghanischer Regierungsstellen. Der
Referent zeigt an Hand der Schulpolitik auf, dass die Taliban keine monolitische
Bewegung sind, sondern dass sich auch bei Ihnen ein kraeftiger, afghanischer
Pragmatismus regt.
Panel
8. Staatliche Organisation/
Eckart Schieweck
(UN-Special Mission to Afghanistan, Universität Bamberg)
Verwaltung in Afghanistan – Einige Bemerkungen zu ihrer Geschichte und neueren
Entwicklungen
Während der Entstehung Afghanistans im Zuge des "Great Game" im 19.
Jahrhundert war es eines der Hauptanliegen der britischen "Partner",
sicherzustellen, daß der Emir von Kabul das gesamte Territorium auch
kontrollierte. Er sollte ja im Gegenzug garantieren können, da keinerlei
Aggressionen in Richtung Britisch-Indiens unternommen wµrden. Ohne
Expansionsmöglichkeiten blieb nur mehr die intensivierte Durchdringung als
Mittel der Herrschaftsausweitung, wozu neben "Binnenkolonisation" auch
die Errichtung eines zentralisierten, zunehmend engmaschigeren
Verwaltungssystems gehörte.
Mein Vortrag will diese Entwicklung bis in die siebziger Jahre des 20.
Jahrhunderts nachzeichnen, und abschließend mehrere Ansätze zur Verwaltung
vorstellen, die sich seit Beginn des Bürgerkrieges manifestiert haben. Während
der zweiten Herrschaft Amîr Dôst Muhammads (1842-63) und vor allem unter Shêr
'Alî Khân (1868-79) hatte der Herrscher von Kabul erstmals versucht, das
Gebiet des heutigen Afghanistan als Steuergrundlage zu erschließen. Besteuerung
der Stämme (v.a. der Durrânîs) und Aufstellung moderner Truppen erscheinen
eher als "technische" Neuerungen, welche noch keinerlei neue Ansätze
zur Verwaltung enthielten. Die Macht wurde weiterhin innerhalb der
herrscherlichen Familie (in den Händen der Prinzen) bewahrt. Durch den Verzicht
auf die Annexion zu Britisch-Indien im Gefolge des zweiten britisch-afghanischen
Krieges 1879-80 wurde letztlich Afghanistan erschaffen. Die Durchsetzung der
direkten Herrschaft Kabuls über das gesamte Territorium charakterisierte die
Herrschaft Abdarrahmâns von 1880 bis 1896. Unter Habîballâh (1896-1919) und
Amânallâh (1919-1929) erfolgte eine fortschreitend engmaschigere Erfassung des
Landes und der Bevölkerung einhergehend mit einer zunehmenden
Institutionalisierung. Amâmallâh gliederte das gesamte Territorium
hierarchisch in Provinzen und Distrikte (ni÷âmnâma-yi taqsîmât-i kishwar
1924). Erstmalig wurden landesweit neben den bisherigen Steuerämtern auch
andere Ämter eingerichtet, das Netz der Grundschulen erreichte nun fast jeden
Distrikt (322 Schulen im Jahre 1928). Die Gegenreaktion 1929 führte zu einer
Phase, in welcher ein Kompromiß zwischen Peripherien und Zentrum, zwischen
traditionellen (landsässigen) Eliten und den modernistischen Stadtbewohnern
gesucht wurde. Einerseits erfolgte die Erfassung des Raumes bis auf die Ebene
des Distriktes durch der Zentralregierung, die darunterliegende Ebene der
Dörfer und Streusiedlungen wurde den lokalen landsässigen Eliten (arbâb,
mâlik, khân) überlassen. Insbesondere die Zeit von 1964 bis 1979 gilt als die
"goldene Zeit" Afghanistans, in welcher eine funktionierende
Verwaltung zusammen mit einer Kompilation der bisherigen (säkularen)
Gesetzgebung (1975), und einer Volkszählung den Eindruck erweckten, Afghanistan
befände sich in einem fortschreitenden Prozeß auf dem Weg zum modernen
Nationalstaat. In großer Menge einfließende Devisen durch Entwicklungshilfe
und Tourismus sicherten außerdem die wirtschaftliche Grundlage dieses
Kompromisses. Dennoch: Die Unregelmäßigkeit in der Bemessung von Distrikts-
und Provinzgrenzen offenbarten eine weiter bestehende Bevorzugung des
paschtunischen Bevölkerungsteiles. Amtswege existierten oft nur auf dem Papier,
und auch in den Städten wurden nicht alle Viertel gleichmäßig vom Staat
erfaßt.
Die weiterhin große Diskrepanz zwischen Anspruch und Praxis wurde in der Zeit
der Kommunistenherrschaft (1978-92) auf die Spitze getrieben: Kabul leistete
sich weiterhin ein "europäisches Leben" mit einer umfangreichen
Staatsbürokratie, welche buchstäblich an den Stadtgrenzen endete. Neue
Ministerien und Provinzen wurden eingerichtet und wieder abgeschafft. Wichtige
Behörden, wie das Amt/Ministerium für Statistik (idâra-yi ihßâhîya-yi
markazî), das Ministerium für öffentliche Gesundheit (wizârat-i sihat-i
hâmma) und andere Stellen wurden weiterhin am Leben erhalten oder gar
ausgebaut, wirkten aber nur in den Städten und (wenigen) ländlichen Gebieten
unter der Kontrolle der Regierung. Gleichzeitig wurden seitens der
Aufständischen in den Gebieten unter ihrer Kontrolle - teilweise mit
ausländischer Hilfe - lokale Verwaltungen eingerichtet. Beispiele sind
Verwaltungen in Bâmyân und Wardak seitens der verschiedenen Fraktionen der
Hazâras, Verwaltungen im Panjshêrtal und in Hoch-Badakhshân. Jedoch bis zum
Abzug der sowjetischen Truppen (1989) war ein Großteil des Landes nicht unter
ständiger Kontrolle der Aufständischen (vgl. die Zustände im
"Islamischen Emirat Herat").
Nach dem Sturz Präsident Najîballâhs (1992) übernahmen die mujâhidîn die
Macht auch in den bisher konventionell verwalteten Städten, was in vielen
Fällen zu völliger Anarchie führte. Im Chaos blieben die Ministerien in Kabul
weiter bestehen - ihre Angestellten entzogen sich jedoch, soweit es ging, durch
Flucht in den Norden (Mazâr) oder in die ehemalige Sowjetunion. Die Regierung
Rabbânî versuchte im Bemühen um einen Kompromiß die Territorialorganisation
den realen Gegebenheiten anzupassen. Gleichzeitig nahmen in Mazâr-i Sharîf und
Herat einheimische Eliten die Verwaltung in die Hand. In der Folge der Eroberung
durch die tâlibân wurde die Zentralherrschaft Kabuls wiederhergestellt. Dies
soll nicht bedeuten, da es ihnen etwa gelungen wäre, an die Erfolge
Habîballâhs oder seiner Nachfolger anzuknüpfen.
In der gegenwärtigen Situation scheint ein funktionierendes Verwaltungssystem
auf der mittleren und unteren Ebene die unbedingte Voraussetzung für einen
funktionierenden Wiederaufbau zu sein. In der Zone der tâlibân existiert kein
durchgängiges System dieser Art. Die höhere Verwaltungsebene wird anscheinend
gemäß unterschiedlicher Maßgaben verwaltet: Neueste Ansätze aus der späten
Dâ'ûd- und Kommunistenepoche konkurrieren mit Rückgriffen auf die dreißiger
Jahre.
Dr. Citha D. Maass
(Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin)
Impressions of a fact-finding mission to Pakistan and Taliban-controlled
areas in spring 2000
During April – May 2000 I went on a fact-finding mission to
Islamabad, Peshawar, Jalalabad, Kabul and Ghazni in order to familiarize myself
with the latest internal developments. The trip took place at a time that could
be seen as a temporary interruption between two military offensives, offering
scope for reorganizing logistics, refilling military stocks and recruiting new
fighters. In view of the highly externalized structure of the Afghan conflict
this was, of course, implemented with strong external support. As the latest by
April 2000, both warring factions seemed to have completed their rearming “up
to the teeth”, and are now waiting for the green signal to launch this year's
summer offensive.
In political, military and psychological terms, the following impressions can be
summarized:
- Failure of the Taliban military offensive last year, having resulted in a
pattern of territorial control that reflected more are less the same balance
of military-cum-territorial distribution as at the onset of the offensive.
- Visible scarcity of funds on the Taliban side, particularly obvious in
Kabul, aggravated by a deteriorating economic situation, again typical for
Kabul. The often repeated comment was that the Taliban seemed to extract and
divert all available financial resources to funding their new military
offensive.
- Strong indications of growing dissent within the Taliban movement.
However, the exact nature of this dissent could not be identified. No
formalized “wings” or “factions” seem to have emerged. However,
dissent within the Taliban and between the Taliban authorities and the local
people seem to remain rather diffuse because no serious political
alternative, no “third force” is discernible.
- Strong resentment against the UN sanctions, having entered into force in
late 1999. The quantifiable impact of the UN sanctions could not be
assessed, but the psychological repercussions were far-reaching and did not
only affect the Taliban authorities. This fuels the controversy whether the
sanctions, in the end, have turned into a counterproductive political tool
by the UN community.
- Dramatic dimensions of a severe, nation-wide drought, only matching the
dimensions of the drought and successive famine in 1971.
- Widely shared expectations of an even bigger military offensive this
summer, based on the assessment that both sides have raised their rearmament
efforts to an unprecedented scale. As a consequence, the expected next round
of fighting also involves an uncalculable risk. Since both sides know that
the opponent is well-prepared to strike or strike back, the military outcome
may be difficult to predict. It cannot be ruled out that the side which
ultimately launches the offensive may lose more than it can gain by it.
- At least on the rhetorical level: the U.S. and Putin-led Russia have
simultaneously hardened their anti-Taliban stance. It can only be hoped that
this is primarily meant for domestic purposes in the U.S. and Russia.
However, the atmospheric repercussions can already be felt in Afghanistan,
further polarising the fragmented society and impeding UN and NGO
humanitarian aid work.
Dr. Dr. Michael Pohly
(Freie Universität, Berlin)
Staatsauffassungen und Organisation der Nordallianz
Die Entwicklung in Afghanistan seit dem Abzug der sowjetischen Truppen ist ein
Spiegelbild der politischen, ethnischen und religiösen Verhältnisse, wie unter
einem Zeitraffer zusammengefasst. Erschwerend hinzu kommt die direkte und
indirekte Einmischung der Regionalstaaten. Die Einmischung von außen ist
inzwischen Teil der kriegerischen Auseinandersetzungen geworden und verhinderte
von Beginn an, eine Alternative zum Krieg zu entwickeln. Wie ein roter Faden
zieht sich der Versuch eine militärische Lösung zu erzwingen durch die letzten
10 Jahre.
Erzwungen durch die politischen und militärischen Ereignisse, begann bei der
Nordallianz, einem heterogenen Bündnis der religiösen und ethnischen
Minderheiten Afghanistans, ein Umdenken. Zunehmende Kriegmüdigkeit und dadurch
schwindende Zustimmung in der Bevölkerung und die Dominanz der von Pakistan
unterstützten Taliban, ließen das bislang verfolgte Ziel, einen militärischen
Sieg über den Gegner zu erringen, als illusorisch erscheinen. Es wurde ein
Entwurf vorgelegt, der eine friedliche Beilegung des Bürgerkriegs, unter
Einbeziehung der 6+2 Gruppe, der OIC und der UNO vorsah.
Neben den Forderungen nach nationaler Souveränität, territorialer Integrität
und Nichteinmischung, wurde auch erstmals näher spezifiziert, wie über die
Bildung einer Nationalen Großen Versammlung, hin zu einer Übergangsregierung
bis zu einer Verfassungsgebenden Versammlung, zumindest der Übergangsprozess
organisiert werden könnte. Folgende Prinzipien wurden für unabdingbar
erklärt, die es galt zu respektieren: Grundsätze des Islams, den bewährten
afghanischen Traditionen, UNO-Charta und der Menschenrechtsdeklaration. Das Volk
wurde zum Souverän erklärt, welches in freier und geheimer Wahl seine
Repräsentanten wählen soll, ungeachtet des Geschlechts, Herkunft und Religion.
Ein Schritt in die richtige Richtung, der zugleich genügend
Interpretationsspielraum ließ und doch eine gehörige Portion Sprengstoff für
die Opponenten enthielt. Entscheident daran war, dass der Gedanke aufgegriffen
wurde und Fortsetzung in der Zypern-Initiative fand, aber auch innerhalb der
afghanischen Gemeinde im Exil.
Sonntag, 18. Juni/
Diskussion
9. Perspektiven einer Friedensfindung/
Prof. Anwar-ul-Haq Ahady
(Providence College, Rhode Island)
The Failure of UN Mediation
For the past twenty years the UN has been involved in mediating the conflict in
Afghanistan. Obviously, UN mediation regarding the withdrawal of Soviet forces
from Afghanistan was successful. For the past ten years, UN mediation in
Afghanistan, however, has been unsuccessful. Successful mediation requires
certain attributes on the part of the disputants, the dispute, and the mediator.
In the case of UN mediation in Afghanistan, neither the disputants nor the
mediator enjoy the attributes that are essential for successful mediation.
Unless the UN changes its strategy regarding the conflict in Afghanistan, its
mediation efforts are not likely to succeed.